Die relationale Entwicklung der Transaktionsanalyse beginnt mit Eric Berne. Bereits das Strukturmodell der Ich-Zustände mit der Differenzierung von Kind-Ich- und Eltern-Ich-Zustand verdeutlicht: Der Mensch entwickelt sich in Beziehung. Das Kind-Ich und das Eltern-Ich entstehen aus dem Beziehungserleben des Kindes mit seinen primären Bindungspersonen.
Die intensivere theoretische Ausarbeitung der relationalen TA beginnt in den frühen 2000er Jahren. Zahlreiche Kongressbeiträge und Veröffentlichungen, wie z.B. von Matthias Sell, Helena Hargaden, Charlotte Sills, Michael Korpiun, Servas van Beekum, William Cornell, Keith Tudor und Heather Fowlie machen die relationale Wende innerhalb der TA sichtbar.
„[Th]e major difference between relational and non-relational approaches is not in their emphasis on the importance of social relations in their analyses, but the fundamentally different understanding of those relations. We argue that the relational approaches view relations as constitutive and therefore, the entities and their relations cannot be considered as being separate from one another.“ (Selg & Ventsel 2020, S. 3)
„Trans-action, as the prefix ‚trans‘ indicates, refers to an action that, in a way, transcends the entities, which are seen as constituted within this action.“ (Selg & Ventsel 2020, S. 32) Auf diese Weise verbinden sich transaktionsanalytisches Denken und relationale Theorie.
Zwei Traditionen
Die relationale TA entwickelt sich in zwei Traditionen, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen:
| Angloamerikanischer Raum | Deutschsprachiger Raum |
|---|---|
| Psychoanalytisch beeinflusst | Phänomenologisch und wahrnehmungstheoretisch geprägt |
| Arbeitet mit Unbewusstem, Übertragung und Gegenübertragung | Integriert Erkenntnisse der relationalen Wende in Natur- und Geisteswissenschaften |
Zwei erkenntnistheoretische Schwerpunkte
Die relationale Transaktionsanalyse hat zwei Schwerpunkte (vgl. Korpiun 2026):
- Die Wertschätzung des relationalen Kerns der klassischen TA und dessen konsequente Weiterentwicklung: Das bedeutet beispielsweise Ich-Zustände als Ausdruck von Beziehungszuständen zu verstehen (vgl. Sell 2009a; 2010), das Phänomen von Beziehungsatmosphäre in den Blick zu nehmen (Sell 2018b; 2026), oder Grundpositionen als innere Beziehungsbilder zu deuten (Korpiun 2024a; 2025).
- Die Integration relationaler Entwicklungen aus verwandten Wissenschaftsbereichen: Die TA wird aktuell befruchtet durch Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie (z.B. Daniel Stern), Neurobiologie (z.B. Rizzolatti, Bauer, Hüther), Phänomenologie (z.B. Heidegger, Merleau-Ponty), Dialogphilosophie (z.B. Buber, Bohm, Isaacs), Soziologie (z.B. Gergen, Rosa) und Quantenphysik (z.B. Görnitz & Görnitz). Beispiel: Die Theorie des relationalen Selbst integriert Säuglingsforschung und neurobiologische Erkenntnisse (Sell 2018b, 2026).
Beide Traditionen verbindet: Der Mensch ist wesenhaft bezogen. Er entwickelt sich aus Beziehungen heraus. Auch die Reflexion über sich selbst und die Erfahrung der eigenen Körperlichkeit sind Beziehungserfahrungen. Die relationale TA ist damit nicht nur eine Weiterentwicklung der TA – sie ist ein relevantes umfassendes Menschenbild für unsere Zeit (vgl. Korpiun 2026).