Frühe Impulse (1980er–1990er)
Im angloamerikanischen Raum entstehen relationale Impulse in der TA bereits in den 1980er und 1990er Jahren. Autor:innen wie William Cornell, Helena Hargaden und Charlotte Sills beginnen, die Bedeutung von Übertragung, Gegenübertragung, Körperlichkeit und Unbewusstem für transaktionsanalytische Therapieprozesse stärker zu betonen. Sie knüpfen an die relationale Wende in der Psychoanalyse und die Zwei-Personen-Psychologie an und fragen, wie sich TA-Theorie verändern muss, wenn Beziehung nicht nur Rahmen, sondern Kern des therapeutischen Geschehens ist.
Der Durchbruch (2002)
Einen wichtigen Durchbruch markiert das Buch „Transactional Analysis: A Relational Perspective“ von Helena Hargaden & Charlotte Sills (2002). Es entfaltet ein explizit relationales TA-Modell für Psychotherapie, in dem die therapeutische Beziehung, das gemeinsame Feld und die geteilte Verantwortung von Klient:in und Therapeut:in im Zentrum stehen. Die Autorinnen verbinden klassische TA-Konzepte mit relationaler Psychoanalyse, Feldtheorie und Objektbeziehungsansätzen und zeigen an vielen Praxisbeispielen, wie sich transaktionsanalytische Arbeit verändert, wenn die Beziehung als gemeinsam hervorgebrachter Prozess verstanden wird.
Hauptvertreter:innen
William Cornell
William Cornell ist Psychotherapeut und einer der prägenden Vertreter relational orientierter TA im psychotherapeutischen Feld. Er integriert Körperpsychotherapie, Bindungstheorie und relationale Psychoanalyse in die TA und betont die Bedeutung von Gegenübertragung, Körperwahrnehmung und der Verletzlichkeit der Therapeut:innen. Cornell versteht Therapie als dialogischen, wechselseitig beeinflussenden Prozess, in dem beide Beteiligte sich berühren lassen und gemeinsam neue Beziehungserfahrungen ermöglichen.
→ Englischsprachige Literatur zu relationaler TA
Helena Hargaden
Helena Hargaden ist Psychotherapeutin, Supervisorin und eine der Pionierinnen relationaler TA im angloamerikanischen Raum. In zahlreichen Artikeln und Lehrtätigkeiten hat sie insbesondere Übertragung, Gegenübertragung, Intersubjektivität und Feldkonzepte in die transaktionsanalytische Psychotherapie eingebracht. Ihr Fokus liegt auf der gemeinsamen, dialogischen Gestaltung des therapeutischen Raums und der bewussten Nutzung relationaler Prozesse für Veränderung.
→ Englischsprachige Literatur zu relationaler TA
Charlotte Sills
Charlotte Sills ist Psychotherapeutin, Supervisorin und Lehrende an Metanoia Institute/London, mit langjähriger Erfahrung in TA, Gestalttherapie und Supervision. Sie verbindet TA mit Gestalt und Feldtheorie und betont die Bedeutung von Präsenz, Kontakt und gemeinsamen Bedeutungsräumen in Therapie und Beratung. Zusammen mit Hargaden hat sie das Buch Transactional Analysis: A Relational Perspective (2002) vorgelegt, das die TA grundlegend relational neu rahmt und bis heute ein Referenzwerk der relationalen TA ist.
→ Englischsprachige Literatur zu relationaler TA
Keith Tudor
Keith Tudor ist Psychotherapeut, Professor for Psychotherapy in Aotearoa/Neuseeland und einer der wichtigen Theoretiker einer kritisch-relationalen TA. Er verbindet TA mit Personzentrierter Therapie, Feldtheorie und sozialkonstruktivistischen Ansätzen und denkt TA explizit politisch und relational. Gemeinsam mit Graeme Summers entwickelt er das Modell der co-creative transactional analysis, das gegenwartsbezogenes, gemeinsam hervorgebrachtes Beziehungsgeschehen betont und die gemeinsame Verantwortung von Therapeut:in und Klient:in für den Prozess beschreibt (Summers & Tudor 2000).
→ Englischsprachige Literatur zu relationaler TA
Servaas van Beekum
Servaas van Beekum ist Organisationsberater, Supervisor (TSTA-O) und Past President von EATA und ITAA. Er gilt als einer der wichtigen Vertreter relationaler TA im Organisationsfeld. In seinem Artikel „A relational approach in consulting: A new formulation of transactional analysis theory in the field of organizations“ (2012) beschreibt er Beratung als Feldgeschehen, in dem Berater:in und Organisation gemeinsam Bedeutungen und Lösungen ko-konstruieren. Van Beekum verbindet TA mit Gruppendynamik, Group-Relations-Tradition und systemischer Organisationsberatung und trägt damit wesentlich dazu bei, relationale TA in Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung zu verankern.
→ Englischsprachige Literatur zu relationaler TA
Graeme Summers
Graeme Summers ist Organisationspsychologe und einer der zentralen Mitentwickler ko‑kreativer und relationaler TA‑Ansätze. Gemeinsam mit Keith Tudor beschreibt er in ihrem Konzept der Co‑creative Transactional Analysis (Summers & Tudor 2000) Therapie, Beratung und Organisationsentwicklung als ko‑kreative Prozesse, in denen Klient:in und Professionelle wechselseitig Verantwortung für das Beziehungsgeschehen tragen. Summers betont dabei Gegenwärtigkeit, gemeinsame Bedeutungsgebung und die Fähigkeit, ambivalente, komplexe Situationen dialogisch zu halten, statt sie vorschnell in starre Deutungen aufzulösen.